buehnenbild_Souvenir-de-Solferino.jpg Jörg F. Müller / DRK
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Die Geschichte des Roten Kreuzes

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Die Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes ist mehr als 150 Jahre alt. So wurde 1863 in Baden-Württemberg die erste Rotkreuzgesellschaft der Welt gegründet. Die Idee, Menschen allein nach dem Maß der Not zu helfen, ohne auf Hautfarbe, Religion oder Nationalität zu achten, geht auf den Schweizer Henry Dunant zurück.

  • Die Schlacht von Solferino: Geburt des Rotkreuzgedankens
    Schlacht von Solferino (Gemälde von Carlo Bossoli)
    Foto: Portrait von Henry Dunant - Gründer des Roten Kreuzes Boissonnas / DRK GS
    Portrait von Henry Dunant, Begründer der Internationalen Rotkreuzbewegung und Nobelpreisträger, um 1864

    Als Geschäftsmann war Henry Dunant 1859 in Italien unterwegs, als er die Folgen der Schlacht von Solferino, des entscheidenden Gefechts zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Piemont-Sardinien sowie dessen Verbündetem Frankreich im Sardinischen Krieg, miterlebte. Dem 31-Jährigen bot sich ein schreckliches Bild. An Straßenrändern, auf Plätzen und in Kirchen lagen dicht an dicht verwundete Soldaten. Dunant erlebte das Grauen des größten Waffengangs jener Zeit in seiner ganzen Brutalität.

    Der Geschäftsmann vergaß seine ursprüngliche Mission und kümmerte sich um Verwundete wie Sterbende. Er wusch schmutzige Wunden aus, verteilte Lebensmittel und Wasser, sprach Mut zu. Auch für Nachschub an Verbandsmaterial und Nahrung sorgte Dunant. Weil professionelle Hilfe überall fehlte, forderte Dunant Einheimische zur Mithilfe auf – Frauen, Kinder und Männer halfen mit. „Sono tutti fratelli“ – wir sind alle Brüder – sagten sie und versorgten jeden Verletzten ungeachtet seiner Nationalität.

    Als Dunant erfuhr, dass die Franzosen österreichische Ärzte gefangen hielten, suchte er den französischen Herrscher auf. Er gestattete den österreichischen Ärzten an dem Hilfseinsatz teilzunehmen. Zusammen mit Dunant praktizierten diese Freiwilligen zum ersten Mal den Grundsatz des späteren Roten Kreuzes: dass alle verwundeten Soldaten neutral und gleich zu behandeln sind.

  • Die Geschichte im Zeitstrahl (1828 - 2006)
    1828 8. Mai - Geburt von Henry Dunant in Genf
    1859 24. Juni - Schlacht bei Solferino; der eher zufällig anwesende Kaufmann Henry Dunant ist von Not und Elend der auf dem Schlachtfeld zurückgelassenen Verwundeten tief erschüttert und organisiert mit Dorfbewohnern zivile Hilfe
    1862 Dunant verarbeitet und veröffentlicht seine Erlebnisse in dem Buch "Eine Erinnerung an Solferino"
    1863 17. Februar - In Genf wird das "Komitee der Fünf" gegründet - der Vorläufer des heutigen "Internationalen Komitees vom Roten Kreuz"
      26. Oktober - Konferenz in Genf zum Zwecke der Gründung freiwilliger Hilfsgesellschaften
      12. November - Gründung des ersten (Württembergischen) Sanitätsvereins als 1. Nationale Rotkreuzgesellschaft
    1864 März - Die Rotkreuzarmbinde wird im deutsch-dänischen Krieg zum ersten Mal verwendet
      22. August - Das Genfer Abkommen wird von 12 Landesvertretern unterzeichnet. Die Konvention betrifft die Linderung des Loses der im Felddienste verwundeten Militärpersonen
    1866 November - Königin Augusta von Preußen gründet den Vaterländischen Frauenverein.
    1867 I. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Paris
    1869 II. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Berlin
      20. April - Die bestehenden zwölf deutschen Landesvereine vom Roten Kreuz gründen das "Centralkomité der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger" mit Sitz in Berlin
    1879 13. Dezember - Die Dachorganisation "Zentralkomitee der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger" nennt sich um in :"Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz".
    1884 III. Internationale Rotkreuzkonferenz in Genf
    1887 IV. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Karlsruhe
    1892 V. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Rom
    1897 VI. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Wien
    1898 6. Oktober - Auf der ersten Reichskonferenz in Stuttgart wird beschlossen, dass alle damaligen 26 deutschen Landesvereine sich einheitlich "Landesverein vom Roten Kreuz" nennen
    1901 Henry Dunant erhält den Friedensnobelpreis gemeinsam mit Fréderic Passy
    1902 VII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in St. Petersburg
    1906 Revision und Weiterentwicklung des Genfer Abkommens von 1864; die "Nationalen Hilfsgesellschaften" werden einbezogen
    1907 VIII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in London
      18. Oktober - Vorläufer des II. Genfer Abkommens, welches die Anwendung der Grundsätze des Genfer Abkommens auf den Seekrieg (X. Haager Abkommen) betrifft
    1908 27. Mai - Die Dresdener Übereinkunft regelt das Verhältnis der Landesvereine untereinander.
    1910 30. Oktober - Henry Dunant stirbt in Heiden am Bodensee (Schweiz)
    1912 IX. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Washington
    1919 5. Mai - Gründung der Liga der Rotkreuzgesellschaften in Paris (heute Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften)
    1921 X. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Genf.
      25. Januar - Zusammenschluss aller deutschen Landesvereine und Landesfrauenvereine zum Deutschen Roten Kreuz e. V. mit Sitz in Berlin
    1922 Beitritt des Deutschen Roten Kreuzes zur Liga der Rotkreuzgesellschaften
    1923 XI. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Genf
    1925 XII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Genf
      27. Mai -Gründung des Jugendrotkreuzes in Deutschland
    1928 XIII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Den Haag. Annahme der Statuten der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung (revidiert 1952, 1986 und 1995)
    1929 27. Juli - Vorläufer des III. Genfer Abkommens zum Schutz der Kriegsgefangenen
    1930 XIV. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Brüssel
    1933 29. November - Verabschiedung einer neuen Satzung des DRK
    1934 XV. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Tokio
    1937 23. Dezember - "DRK-Gesetz": Das DRK verliert alle Wohlfahrtseinrichtungen und das Jugendrotkreuz; die Organisation wird nach dem "Führerprinzip" strikt hierarchisch neu gegliedert.
      24.Dezember - Eine neue DRK-Satzung wird erlassen.
    1938 XVI. Internationale Rotkreuz-Konferenz in London
    1939 bis 1945 Im 2. Weltkrieg setzt das DRK ca. 800 000 Ärzte, Krankenschwestern, Helferinnen und Helfer ein (85% Frauen in der Verwundetenhilfe, der sozialen Betreuung der Truppen und Gefangenen sowie der Hilfeleistung für die kriegsgeschädigte Zivilbevölkerung)
    1945 19. September - Auflösung des DRK in der Sowjetzone
      25. September - Auflösung des DRK in den westlichen Besatzungszonen
    1948 XVII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Stockholm
    1949 12. August - Neufassung und Erweiterung der Genfer Abkommen: I. Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde; II. Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der Streitkräfte zur See; III. Genfer Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen; IV. Genfer Abkommen zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten
    1950 4. Februar - Neugründung des Deutschen Roten Kreuzes in der Bundesrepublik auf dem Rittersturz in Koblenz, Generalsekretariat in Bonn
    1952 XVIII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Toronto.
      25. Juni - Anerkennung des DRK in der Bundesrepublik durch das IKRK
      23. Oktober - Gründung des Deutschen Roten Kreuzes in der DDR mit Sitz in Dresden
    1953 "Flutkatastrophe" in Holland im Februar 1953
    1954 9. November - Anerkennung des DRK der DDR durch das IKRK
    1956 27. September - Anerkennung des DRK in der Bundesrepublik durch die Bundesregierung (2. Anerkennungsschreiben)
    1957 XIX. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Neu-Dehli
    1965 XX. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Wien:
      Verkündung der sieben Rotkreuz-Grundsätze
    1969 XXI. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Istanbul
    1973 XXII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Teheran
    1977 XXIII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Bukarest
      Ergänzung der Genfer Abkommen durch zwei Zusatzprotokolle
    1981 XXIV. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Manila
    1986 XXV. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Genf
    1990 9. November - Die sechs aus dem DRK der DDR neu gebildeten Landesverbände erklären den Beitritt zum Deutschen Roten Kreuz zum 1. Januar 1991. Vertrag über die Herstellung der Einheit des DRK. Das DRK der DDR löst sich auf. Beschluss der Verlegung des DRK- Generalsekretariats nach Berlin
    1991 3. Mai - Bestätigung der Anerkennung durch das IKRK anlässlich der Ausdehnung des DRK auf das gesamte Bundesgebiet
    1993 11. November - Verabschiedung der neuen DRK-Satzung
    1995 XXVI. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Genf.
    1997 14.Juli - Oder-Hochwasser
    1999 16./17. August - Erdbeben in der Türkei
      XXVII. Internationale Rotkreuz-Konferenz in Genf.
    2001 12. Februar - Neuer Dienstsitz des GS in Berlin-Lichterfelde
    2002 August - Elbe-Hochwasser
    2006 Fußballweltmeisterschaft. Das DRK führt seinen bisher größten geplanten Sanitätseinsatz in Deutschland durch.
  • "Eine Erinnerung an Solferino" – Dunants Buch und seine Vision
    Jörg F. Müller/ DRK
    Buchtitel - Eine Erinnerung an Solferino

    Henry Dunant verarbeitete seine Erinnerungen an die Erlebnisse in Italien in seinem Buch „Un souvenir de Solferino“ (Eine Erinnerung an Solferino). Noch heute gilt es als literarisches Meisterstück, mit dem er die damalige Gesellschaft in Europa aufrüttelte.

    In seinem Buch schildert Dunant zunächst die politischen Zusammenhänge und informiert detailliert über das Militär und Kriegsstrategien. Danach beschreibt er in einem dramatischen Epos den Ablauf der Schlacht und das Gemetzel auf den Schlachtfeldern. Es fällt kein Wort über den Triumph der Siegermächte. Dunant beschreibt stattdessen, wie primitiv und brutal die Verwundetentransporte durchgeführt wurden oder wie prekär die Zustände in den Lazaretten waren.

    Die letzten Seiten widmete Dunant seiner Vision: „Wäre es nicht möglich, in Friedenszeiten eine freiwillige Organisation zu gründen, deren Zweck es sein müsste, die Verwundeten in Kriegszeiten durch begeisterte und aufopfernde Freiwillige, die für ein solches Werk besonders geeignet sind, pflegen zu lassen?“ Er schloss sein Buch mit dem Appell, Hilfsgesellschaften für Verwundete in verschiedenen Ländern Europas zu gründen.

    Dunant ließ auf eigene Rechnung 1.600 Exemplare seines Buches drucken, die er mit persönlicher Widmung an Fürsten, Generäle und Regierungen in Europa verschickte. Das Echo war gewaltig. Eine zweite Auflage erschien schon vier Monate nach der ersten und wurde zum Bestseller, der Verfasser berühmt wie ein Star.

  • Eine Idee wird Wirklichkeit

    Einer der Ersten, die Dunant gratulierten, war der Genfer Gustave Moynier, ein brillanter Jurist und erprobter Organisator. Er war Präsident der privaten Gemeinnützigen Gesellschaft Genfs und konnte Dunant für ein Referat vor zwanzig angesehenen Bürgern der Stadt gewinnen, unter ihnen General Guillaume-Henri Dufour.

    Die Versammlung beauftragte fünf Anwesende, einen Plan zu erstellen, wie Dunants Idee, „kriegsführende Armeen durch Korps freiwilliger Krankenpfleger zu unterstützen“ in die Tat umgesetzt werden konnte. Das Fünfergremium mit der Bezeichnung „Ständiges Internationales Komitee“ – dem späteren Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) – setzte sich zusammen aus General Henri Dufour als Präsident, Gustave Moynier als Vizepräsident, Dunant als Sekretär und den zwei Ärzten Louis Appia, einem Spezialist in Chirurgie, und Théodore Maunoir, einem Mediziner mit internationaler Erfahrung.

    Für seine Verdienste erhielt Henry Dunant 1901 gemeinsam mit Frédéric Passy den Friedensnobelpreis.

  • Lebenslauf Herny Dunant (1828 - 1910)
    1828 8.5. - Henry (Jean-Henri) Dunant wird in Genf, Rue Verdaine 12 als Sohn des Kaufmanns und Ratsherren Jean Jacques Dunant und dessen Frau Anne-Antoinette Colladon geboren.
    1846 Dunant tritt der "Gesellschaft für Almosenspenden" in Genf bei.
    1847 Er gründet auf dem elterlichen Landgut die sogenannte Donnerstags-Vereinigung: Junge Menschen treffen sich für Bibelstudien. Sie besuchen Hungernde und Kranke, helfen Alten und halten Vorlesungen in Gefängnissen. Daraus entsteht später (1852) der "Christliche Verein Junger Männer" (CVJM).
    1852 Dunant muss das Gymnasium (Calvin-Kolleg) frühzeitig wegen schlechter Schulnoten verlassen. Er beginnt eine Banklehre in Genf.
      30.11. - Als 24jähriger gründet Dunant den Genfer "Christlichen Verein Junger Männer" (CVJM).
    1853 Ernennung zum interimistischen Direktor der "Gesellschaft der Schweizer Kolonien von Setif".
    1853/54 Dunant reist zweimal nach Algerien und beginnt in der Schweiz kommerziell um Kolonisten zu werben.
    1855 Mitwirkung bei der Gründung des "Weltbundes der Christlichen Vereine Junger Männer (CVJM)" in Paris
    1856 Mit einem Freund gründet Dunant eine Kolonialgesellschaft und erhält eine Landkonzession in Algerien.
    1858 Dunant will in den Bau von Mühlen investieren. Zu diesem Zweck gründet er die Finanz- und Aktiengesellschaft "Mühlen von Mons Djemila in Algier“. Er benötigt jetzt noch Ländereien, die das Getreide für die Mühlen liefern.
    1859 Dunant veröffentlicht die Schrift "Das Römische Reich". Huldigung an Napoleon III.
      24. Juni - Schlacht von Solferino: Italien kämpft im Bündnis mit Frankreich gegen Österreich um seine nationale Einheit.Aufgrund von Problemen mit der Kolonialbehörde - Paris schickt die Konzessionen nicht - reist Dunant nach Italien, um persönlich bei Napoleon III. (1808-1873) vorzusprechen. Dunant wird am nächsten Tag in Castiglione Zeuge der unzureichenenden Versorgung von Tausenden von Verletzten. Er entschließt sich spontan, den Verwundeten auf beiden Seiten zu helfen.
    1860/61 Dunant schreibt "Eine Erinnerung an Solferino". Darin berichtet er von den Greueln des Krieges. Das Buch enthält Vorschläge zur Gründung von Hilfsgesellschaften in allen Ländern zur unparteilichen Pflege von Verwundeten im Felde durch Freiwillige und einer internationalen, rechtsverbindlichen Übereinkunft
    1862 November - Das Werk erscheint in einer Auflage von 1.600 Exemplaren. Dunant verschickt das Buch an einflussreiche und mächtige Persönlichkeiten in Europa.
      Der Jurist Gustave Moynier, Vorsitzender der "Gemeinnützigen Gesellschaft von Genf", ist begeistert von Dunants Buch.
    1863 9.2. - Dunant stellt seine Ideen auf der Mitgliederversammlung der "Gemeinnützigen Gesellschaft von Genf" vor.
      Diese setzt ein ständiges Komitee ein, das sogenannte Fünfer-Komitee ("Comité international de secours aux militaires blessés"), das prüfen soll, wie die Ideen Dunants umgesetzt werden können.
      Mitglieder dieses Komitees:
      Dunant, Moynier, General Wilhelm Dufour, die Ärzte Dr. Louis Appia und Dr. Theodor Maunoir.
      Dunant wird Sekretär dieses Komitees.
    1863 17.2. - Das Fünfer-Komitee bzw. das "Internationale Komitee für die Versorgung der Verwundeten in Kriegszeiten" tagt am 17.2.1863 zum ersten Mal. Dieses Treffen gilt als Gründungsdatum des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).
      1.9. - Das Fünfer-Komitee lädt wichtige amtliche und private Persönlichkeiten für den 26. Oktober 1863 zu einem Internationalen Kongress nach Genf ein, um die "in dem Erinnerungsbuch an Solferino aufgeworfenen Fragen" zu erörtern. Der Einladung beigefügt ist ein Memorandum:
      * Bildung von nationalen Hilfsgesellschaften, welche die Heeressanitätsdienste unterstützen sollen
      * Einsatz von Abteilungen freiwilliger Krankenpfleger im Krieg
      Dunant reist in den folgenden Wochen durch Europa und wirbt in der Öffentlichkeit und bei zahlreichen Regenten für seine Ideen.
      Mit diesen rennt er fast offene Türen ein.
    1863 6.-12.9. - In Berlin nimmt Dunant am "Internationalen Statistischen Kongress" teil. Dort trifft er mit dem holländischen Militärarzt Dr. Jan Hendrik Christiaan Basting zusammen, der "Eine Erinnerung an Solferino" ins Holländische übersetzt hat.
      Dunants Vorstellungen stoßen auf viel Zustimmung.
      Daraufhin erweitert er - gemeinsam mit Basting - die im Memorandum niedergelegten Vorschläge um die Neutralisierungsidee. Diese neue Denkschrift lässt er am 15.9.1863 drucken. Er verteilt sie an die Kongress-Teilnehmer und verschickt sie an die Empfänger der ersten Schrift vom 1. September.
      Eine Rücksprache mit den Mitgliedern des Fünfer-Komitees erfolgt nicht. Diese sehen das Projekt durch den Neutralitätsgedanken gefährdet und werfen Dunant seine Eigenmächtigkeit vor. Das Verhältnis zwischen Dunant und Moynier verschlechtert sich zusehends.
      Von Berlin aus reist Dunant weiter nach Dresden, Wien, München, Darmstadt, Karlsruhe, Stuttgart und London. Die Regierungen sagen ihm zu, Delegierte nach Genf zu schicken.
    1863 26.-29.10. - Erste internationale Genfer Konferenz.
      Anwesend sind 36 Delegierte aus 16 Ländern. Die Konferenz fasst 10 Beschlüsse. In jedem Land soll ein Ausschuss gebildet werden, der den Sanitätsdienst der Heere unterstützen soll. Der Neutralitätsgedanke wird zwar von den Anwesenden akzeptiert, aber zur Enttäuschung Dunants den Beschlüssen nur als einer von drei Wünschen angehängt.
    1863 12.11. - In Stuttgart (Königreich Württemberg) wird die erste nationale Hilfsgesellschaft gegründet: der Württembergische Sanitätsverein
    1864 März - Die Rotkreuzarmbinde wird im Deutsch-Dänischen Krieg zum ersten Mal verwendet.
      8.8. (bis 28.8.) - Diplomatische Konferenz in Genf. Es nehmen 26 Delegierte aus 16 Staaten teil. Die Konferenz soll die 10 Beschlüsse in einen völkerrechtlich bindenden Vertrag umwandeln.
    1864 22.8. Das "Erste Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten auf dem Feld" wird von 12 Staaten unterzeichnet:
      * Schutz der Verwundeten im Feld ohne Unterschied der Nationalität
      * Rotes Kreuz auf weißem Grund als internationales Schutzzeichen für den Heeressanitätsdienst und die freiwillige Sanitätshilfe.
    1865 In Algerien trifft Dunant mit Napoleon III. zusammen. Er bittet ihn um Hilfe für seine finanziell angeschlagene Mühlengesellschaft.
    1866 September - Königin Augusta lädt Dunant als Ehrengast zu den Feierlichkeiten anlässlich der heimkehrenden Soldaten aus dem Krieg gegen Österreich nach Berlin ein.
      Dunant befindet sich auf dem Höhepunkt seines Ansehens.
    1867 August - Nur vier Jahre nach der Gründung des Komitees: Wirtschaftlicher Zusammenbruch Dunants. Er verliert sein gesamtes Vermögen; seine Familie und Freunde verlieren ihre Investitionen in die Aktiengesellschaft.
      In Genf ist Dunant geächtet; für das IKRK ist er untragbar geworden. Er muss als Sekretär des Komitees zurücktreten.
      Er siedelt nach Paris über, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebt und in den nächsten Jahren seinen Lebensunterhalt mit journalistischen Arbeiten verdient.
      Auf der Pariser Weltausstellung wird ihm eine Goldmedaille für seine Verdienste verliehen.
    1868 2.2. - Tod der Mutter
      17.8. - Verurteilung durch ein Genfer Zivilgericht wegen Bankrott. Dunant fühlt sich verkannt: Er habe niemanden täuschen wollen, sondern sei selbst getäuscht worden.
      September - Projekt Universal-Bibliothek: Dunant will die bedeutendsten Werke der Literatur allen Völkern zugänglich machen. Idee: Durch Kulturaustausch sollen Kriege verhindert werden. Zu diesem Zweck reist er nach Bonn, um an dem "Internationalen Kongress für Altertumskunde und Geschichte" teilzunehmen. Die Bonner Zeitung begrüßt ihn am 23. September als Gründer des Roten Kreuzes.
    1871 Dunant gründet in Paris eine "Allgemeine Fürsorgegesellschaft" , welche die frierende Bevölkerung während der Belagerung u.a. mit warmer Kleidung versorgt.
    1872 Aus der "Allgemeinen Fürsorgegesellschaft" entsteht die "Allianz für Ordnung und Zivilisation". Ziele: politischer und sozialer Frieden, Einrichtung eines internationalen Schiedsgerichts, Besserstellung der Kriegsgefangenen.
      Die reiche Witwe Léonie Kastner unterstützt die Allianz mit Geldmitteln.
      Kongress über die internationale Schiedsgerichtsbarkeit in London. Dunant wird zum Sekretär der "Peace Society" ernannt.
    1872 August - Übersiedelung nach London. Dort wirbt Dunant für seine Idee einer Konvention für Kriegsgefangene.
      September - Während eines Vortrags bricht er vor Hunger zusammen. Seine Ideen werden in der Presse gefeiert. Mit neuem Eifer verfolgt er nun ein neues Ziel: die Verbesserung des Loses der Kriegsgefangenen
    1874 Dunant verarmt immer mehr: Er übernachtet in Bahnhofswartesälen und unter Brücken. Aus London schickt er einen Hilferuf an seine Familie in Genf. Diese lässt ihm schließlich eine bescheidene Lebensrente zukommen.
    1876 Beginn der Reisejahre von Stuttgart aus (Rom, Korfu, Basel, Karlsruhe). In Stuttgart nimmt ihn Pfarrer Ernst Wagner in sein Haus auf. Dunant verschwindet mehr oder weniger von der Bildfläche und wird von der Öffentlichkeit für tot gehalten.
    1877 In Stuttgart kommt es zur Begegnung zwischen Dunant und dem späteren Gymnasiallehrer Rudolf Müller.
    1881-
    1884
    Erste Aufenthalte in Heiden (Schweiz)
    1885 Nach dem Tod von Ida Wagner, der Witwe des Pfarrers, muss Dunant seine Unterkunft in Stuttgart verlassen. Erneute Aufenthalte in Paris und London.
    1887 Juli - Dunant lässt sich in Heiden (Schweiz) nieder.
    1889 Dunant beginnt mit der Niederschrift seiner "Erinnerungen".
    1890 Dunant zieht nach Trogen. Er ist dort aber nicht glücklich. Ernennung zum Ehrenpräsidenten des Rotkreuzvereins in Heiden
    1892 Endgültige Niederlassung im Bezirksspital Heiden. Dunant verfasst das Vorwort zu Jean-Jacques Bourcars „Weltallskizzen“. Dunant bittet Müller, eine Entstehungsgeschichte des Roten Kreuzes zu schreiben. Das Buch soll beweisen, dass er der Gründer des Roten Kreuzes ist.
    1895 August - In Heiden "entdeckt" ihn der St. Gallener Journalist Georg Baumberger.
      6.9. - Dieser veröffentlicht einen Artikel in der Stuttgarter Zeitschrift "Über Land und Meer": "Henri Dunant, der Begründer des 'Roten Kreuzes'".
    1896 Beginn des Briefwechsels mit Bertha von Suttner
      Aufrufe für den Frieden
      Ehrung durch Papst Leo XIII.
    1897 Auf den Lebenserinnerungen Dunants basierend erscheint Rudolf Müllers „Entstehungsgeschichte des Roten Kreuzes und der Genfer Konvention“. Darin wird Dunant als Gründer des Roten Kreuzes dargestellt.
      Gründung des Grünen Kreuzes. Internationaler Frauenhilfsbund
    1898 Juni - Entwurf für „Schweizerische Liga der Menschenrechte“
      November - Bertha von Suttner regt an, Dunant eine Ehrung zukommen zu lassen. Müller und der dänische Militärarzt Hans Daae, ein Bewunderer Dunants, bemühen sich in den nächsten Jahren darum, Dunant den Friedens-Nobelpreis zu verschaffen.
    1899 Erste Haager Friedenskonferenz
    1901 10.12. - Erster Friedensnobelpreis an Dunant und Frédéric Passy.
    1903 Dunant wird von der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg der Ehrendoktor der Medizin verliehen.
    1908 8.5. - Weltweite Ehrung am 80. Geburtstag
    1910 30.10. - Tod in Heiden
      2.11. - Bestattung auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich
       
      Quelle: DRK-Archiv, Berlin